42,195 km – Euphorie, Schmerzen und am Ende purer Stolz!

Wenn ich heute am Tag danach auf gestern zurückblicke, ist es schon unglaublich, tatsächlich diese scheinbar unendliche Distanz von 42,195 km zurückgelegt zu haben. Ein wirklich weiter Weg, bis ins Ziel in der Festhalle – aber jeder Meter sollte es wert sein durchzuhalten!

Mein Tag startet um 6.00 Uhr in der Früh. Zum Frühstück gibts zwei Scheiben Pumpernickel mit Honig, dazu den ersten Liter Wasser des Tages. Es wird wichtig sein, nicht zu viel im Magen zu haben, wenn es in Kürze auf die vierstündige Strecke durch Frankfurt geht.

Um 8:23 Uhr fährt meine Bahn nach Frankfurt – und die Nervosität steigt nun deutlich. Ich fühle mich sehr gut und auch das Wetter spielt absolut mit. 14 Grad, keine Wolken und fast noch wichtiger, kein Wind!

sd-f-verknuepfungMit der U-Bahn gehts direkt vom Hauptbahnhof an die Messe. Jetzt steigt die Anspannung und die vielen Läufer und Zuschauer erzeugen eine eindrucksvolle Atmosphäre! In den Gesichtern ist von Vorfreude bis Fokussierung alle Gemütszustände ablesbar. Jetzt noch schnell meinen Läuferbeutel abgeben und los gehts.
Bevor ich mich in den Rosbacher Startblock mit der Zielzeit 3:59:00 einreihe, geht es noch kurz zum Warm-Up. Ein paar Bahnen die Muskeln lockern und dann rein in den Block und losfeuern auf den Startschuss.

Um 10:00 Uhr gehen die Favoriten auf die Strecke und die Stimmung steigt am Straßenrand. Für mich ist es ein sehr emotionaler Moment, als sich um 10.10 Uhr mein Startblock in Bewegung setzt und ich als einer von knapp 16.000 Teilnehmer auf dem Weg in Richtung Festhalle bin.

Auf den ersten 5 Kilometern ist das Feld sehr eng beisammen. Hauptaugenmerk für mich liegt hierbei einen ruhigen Laufstil zu finden und langsam in einen Rhythmus zu kommen. Dies erweist sich als etwas schwierig, da an der Alten Oper die Strecke etwas verengt und das Feld deshalb immer wieder ins Stocken kommt. Somit sind die ersten Kilometer von mehreren Tempowechseln geprägt, die sich hoffentlich nicht rächen werden.

Mit einer Zeit von 5:16 pro Kilometer bin ich genau in dem Tempo angegangen, wie ursprünglich vorgenommen. Dieser Plan ging auch eine Weile gut, um genau zu sein bis Kilometer 32 – aber der Reihe nach.

Bis Kilometer 15, war es ein echter Genuss durch die Innenstadt und Sachsenhausen zu laufen. Die vielen Transparente und Zuschauer am Straßenrand machten das erste Teilstück zu einem einzigartigen Erlebnis

Dann ging es etwas aus der Stadt raus in Richtung Niederrad. Vorbei an der Pferderennbahn, ins Gewerbegebiet – hier die nächste Verpflegung bei Kilometer 18. Zeit für die erste Banane neben dem vielen Wasser, dass ich auf dem ersten Teilstück zu mir nahm. So langsam spüre ich die Waden und auch die linke Hüfte bereitet mir etwas Sorgen, bereits in der Vorbereitung hatte ich gerade an der Hüfte hin und wieder ein paar Problemchen.

img_3846Über Goldstein und Schwanheim ging es über den Main direkt nach Höchst. Hier pushten erneut die zahlreichen Zuschauer an der Strecke und machten das Teilstück bis Kilometer 27 sehr angenehm. Zumindest lenken sie von den ersten Schmerzen ab und geben einen ersten Vorgeschmack auf den Empfang in der Festhalle in Frankfurt! Das ist der Anker, den ich mir ab diesem Zeitpunkt setze – immer noch bin ich auf einem guten Weg unter den 4 Stunden zu bleiben.
Jetzt geht es auf die von vielen gefürchtete Mainzer Landstraße. Insgesamt 4 Kilometer geradeaus bis es im Europaviertel in Frankfurt weitergeht und die Menschenmassen wieder am Rand stehen. 4 Kilometer geprägt von Musikgruppen und Trommlern, die am Rand für ausgelassene Stimmung sorgen und alles dafür geben, die Schmerzen der Läufer erträglicher zu gestalten. Mir persönlich haben sie sehr geholfen und auch an der Stell nochmal DANKE für die tolle Unterstützung!

Ab der 35km Marke baue ich nun deutlich ab, das liegt vor allem an meinen Waden, die jetzt kurz davor sind komplett zu krampfen. Nun heißt es beißen, nur noch 7 km bis ins Ziel – das muss zu schaffen sein. Von dem Ziel unter 4 Stunden zu laufenimg_3847 verabschiede während dieses Streckenabschnitts und peile nun 4:10 an.
Zurück am Platz der Deutschen Einheit bei 37 km warten viele Zuschauer, die nun die finalen 5 Kilometer einläuten – Gänsehaut pur! Dieses Gefühl trägt mich förmlich an die letzte Verpflegungsstelle bei 41 km. Hier bedanke ich mich bei allen Helfern für den tollen Job, den sie an diesem Tag machen. Einer der Helfer ruft mir zu: „Du machst den besseren Job und jetzt ab ins Ziel, es ist nicht mehr weit!“ Mit diesem Satz im Rücken geht es auf die letzten 1.000 Meter und die Emotionen kochen in meinem Körper. Es ist unbeschreiblich, man will fast nochmal schneller laufen und die Schmerzen werden tatsächlich vergessen für einen Moment. Dann biege ich ab und habe noch 200m – rein in die Festhalle und genießen! Meine Familie empfängt mich lautstark und begleitet mich die letzten Meter. Die Uhr bleibt bei 4:10:13 stehen!

Am Ende bleibt ein überwältigendes Glücksgefühl, diese Distanz tatsächlich zurückgelegt zu haben. Danke an alle, die dabei waren und lautstark unterstützt haben. Ihr seid die Besten

Bis zum nächsten Lauf,

Euer Simon


One thought on “42,195 km – Euphorie, Schmerzen und am Ende purer Stolz!

  1. Jörg

    Hey Simon, der erste Marathon ist immer etwas besonderes und ich gratuliere dir zu diesem tollen Erfolg. Auf geht’s zum nächsten
    Sportlichen Gruß

    Jörg

    #joeroberle #citynightrunaschaffenburg #jorunning

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