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….oder wie wir den StartUp Slam Funke mit nach Hause brachten.

Der Applaus hallt durch den Raum, ein Name ertönt. „UrbanX bitte zu mir!“. Was bereits wie die Siegerehrung klingt, ist das Startsignal für UrbanX beim StartUp Slam Funke in Mainz. Der Slam wird bereits zum vierten Mal in Mainz ausgetragen. In Sachen StartUp Förderung hat Mainz somit einiges zu bieten, was auch die Begrüßungsreden von der Ministerpräsidentin Malu Dreyer und des Wirtschaftsdezernenten Christopher Sitte unterstrichen wird.

Jenny von bigFM schaut erwartungsvoll zu Tilman, um ihm das Mikro zu übergeben. Dieser kommt, lässig einen Basketball dribbelnd, auf die Bühne. Und beginnt. „Einen wunderschönen Abend!“ wünscht er zur Begrüßung den Zuschauern.

Wie und ob er tatsächlich wunderschön ist, wird sich noch zeigen, dachte ich mir. Die anderen StartUps hatten bereits präsentiert. Berries, eine App, die das Investieren zum Alltagsgeschäft machen will. Kullo als ein Verschlüsselungsdienst, der die digitale Kommunikation in Zeiten, bei denen Hackerangriffe nahezu zur Tagesordnung gehörten, sicher machen will. TJATI mit der Idee eines alternativen Kaufberaters, welcher nicht aus Onlineseiten oder Beratern vom Fachhandel besteht, sondern aus dem Bekannten, der ein Produkt empfiehlt und dafür eine Prämie kassiert. Und zum Schluss nun wir. Das Beste kommt zum Schluss, witzeln wir bereits. Ob wir auch von den Zuschauern so gesehen werden?

Wir, die mit unserer App, vielmehr unserer Vision den Sport revolutionieren und im Rahmen des Gründerwettbewerbs nun Jury und Publikum überzeugen wollen. Die anderen Startups bekamen allesamt hohe Punktzahlen. Schilder mit 7ern, 8ern und 9ern wurden von der Jury hochgehalten. Unter anderem von Juroren wie Tilman Au aus dem Vorstand des Initiators „StartUp Netzwerk Mainz e.V.“, oder Mike Walber von der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz. Außerdem hat ein Dezibelgerät den Zuspruch der Zuschauer gemessen. Die Namensverwandschaften waren schon einmal gute Voraussetzungen: Nicht nur unser Frontmann und der Vorstandsvorsitzende des Netzwerks sind Namensvettern – zur Afterparty tritt nach dem Slam die Urban Club Band auf.

Doch unser Tilman lässt sich nicht beirren. Macht erstmal Stimmung. „Ich hoffe, wir haben ein paar Sportler heute hier?!“ Johlen aus der Menge. Der Anfang war schon mal gut. „Bei UrbanX geht es um Sport. Sport in seiner Reinform. Sport in der Gemeinschaft.“ Ich schaue mich um. Interessierte Gesichter. Eines sehr unterschiedlichen Publikums. Hier waren Sportschuhe zu sehen, dort Anzug und Krawatte. Hier ein T-Shirt, dort ein auffallendes Kleid. Männer, Frauen, alt, jung – alles bunt gemischt. Und alles schaut zu Tilman, der auf der Bühne seine Geschichte erzählt. Ob wir uns erinnern würden, wie wir als Kinder Sport gemacht haben. Alleine durch die Gegend joggen? Pah. Als ob ein Kind früher alleine draußen spielte. Mit Freunden treffen und auf der Straße kicken, das hat Spaß gemacht. Aber warum geht man denn dann heute alleine ins Fitnessstudio? Läuft alleine durch den Wald? Zeit und Verfügbarkeit. Das Problem, das UrbanX löst, wenn es darum geht, in der Gemeinschaft Sport zu treiben. Erinnert mich etwas an Netflix. Warum boomt es so stark? Weil es jederzeit verfügbar ist. Und das ist die Sportsgruppe, sind der Kumpel oder die beste Freundin nicht immer. Besonders dann nicht, wenn man spontan mal eine Stunde frei hat. Oder wenn man selbst es nicht zum Vereinstraining schafft, weil der Boss einem last-minute einen Stapel Arbeit auf den Tisch geknallt hat.

Im übertragenen Sinn könnte UrbanX das Netflix für Sport werden, denke ich mir. Oder auch eine Art Sport Tinder, weil man ja viele neue Leute kennenlernen kann. Am Rande meines Blickfelds erhascht eine Bewegung meine Aufmerksamkeit. Jenny ist von ihrer Couch aufgestanden und tastet sich schrittweise zu Tilman vor. Die sechs Minuten, die jedes Startup für den eigenen Slam hat, scheinen um zu sein. Doch Tilman lässt sich nicht beirren und beendet gelassen seinen Vortrag. „Wir haben also eine Plattform von Sportlern für Sportler erschaffen, wir hoffen, dass ihr am Start seid, wir wollen, dass ihr mit uns auf die Reise geht und Sport mit uns revolutioniert!“ Ein gelungenes Schlusswort, wie ich finde. Applaus brandet auf, Jubel ertönt. Das Lärmmessgerät zeigt 109. Mehr als die anderen hatten! Allerdings hat das keinen Einfluss auf die Bewertung. Jetzt kommt die Jury dran. Die Sekunden ziehen sich. Dann werden die Karten in die Höhe gehalten: Wir liegen vorn! Wir haben tatsächlich die höchste Punktzahl von allen Teilnehmern. Doch das Team ist noch zu angespannt für ausgelassene Freude. Nun hängt alles von den Stimmzetteln des Publikums-Voting ab.

Die Auszählung dauert gefühlt eine halbe Ewigkeit. Zehn Minuten später treffen die Ergebnisse ein. Wir stehen wie auf glühenden Kohlen und schauen gespannt auf die Bühne. „Auf dem vierten Platz…“ der Name einer unserer Kontrahenten fällt. Wir werfen uns aufmunternde Blicke zu. Den dritten Platz besetzt ebenfalls ein anderes Startup. „Das doofe beim zweiten Platz ist, dass dann jeder weiß, wer gewonnen hat…“ meint Jenny. Das ist in der Tat doof. Wie man das wohl umgehen könnte… Ein Name reißt mich aus meinen Gedanken. Es war nicht unserer. Wir haben gewonnen! Und brechen in Jubel aus.

Fallen uns in die Arme, verteilen High Fives und klatschen uns alle gegenseitig auf die Schulter. Sieger des StartUp Slams. Im Freudentaumel werden wir auf die Bühne gebeten, Malu Dreyer überreicht uns den Scheck über 30.000 Euro und wir müssen für die Pressefotografen more here posieren. Ein Wahnsinnsgefühl, das wir genießen!

Die Idee der Social Sports App hat abermals überzeugt. Und das als Wiesbadener in Mainz. Ein großartiger Energiepush, der uns wieder darin bestärkt, mit Vollgas an unserer Vision zu arbeiten!

Euer Konstantin